Port - Umgang, Punktion und Pflege

Der Port ist ein subkutan implantiertes Kathetersystem, das von außen punktiert werden kann und einen dauerhaften Zugang zum venösen Gefäßsystem bietet.

Aufbau und Anatomie

  • Portkammer: Besteht je nach Hersteller aus Kunststoff, Titan (bzw. kunststoffummanteltem Titan) oder Keramik und verfügt über eine dicke Silikonmembran (Septum). Sie wird meist über dem Musculus pectoralis major in das subkutane Fettgewebe implantiert.

  • Katheterschlauch: Besteht aus Polyurethan oder Silikon und mündet in die Vena jugularis interna oder Vena subclavia.

Durch Einstechen in die Silikonmembran wird der Zugang zum Blutkreislauf (zur Blutentnahme oder Infusionsgabe) hergestellt.

Allgemeine Grundsätze und Voraussetzungen

  • Delegation: Die Punktion des Ports ist eine delegierbare ärztliche Aufgabe und darf durch qualifiziertes nichtärztliches Personal (z. B. Pflegekräfte) übernommen werden. Die Erstpunktion erfolgt durch einen Arzt! (meist im OP, bei Anlage)

  • Voraussetzung: ist der Nachweis der Qualifikation durch regelmäßige Schulungen sowie eine schriftliche ärztliche Anordnung.

  • Material: Zur Punktion dürfen ausschließlich spezielle Portsicherheitsnadeln ("Huber-Schliff") verwendet werden.

CAVE:

Spülungen oder Injektionen in den Port dürfen nur mit Spritzen von mind.10 ml durchgeführt werden (Gefahr des Überdrucks im Portsystem).

Komplikationen

Die häufigsten Komplikationen, die durch ein Portsystem entstehen können, sind Infektionen (z. B. lokale Porttascheninfektionen oder systemische Kathetersepsis) und Thrombosen (z. B. katheterassoziierte Venenthrombosen oder Systemokklusionen). Um diese Risiken zu minimieren, sind streng aseptische Kautelen bei der Punktion und Pflege sowie regelmäßige Spülungen unerlässlich.

Pflege, Überwachung und Verbandswechsel

Eine konsequente Pflege ist essenziell, um Infektionen und Komplikationen zu vermeiden.

  • Tägliche Inspektion: Die Portumgebung, die Lage der Portnadel und der Verband müssen täglich kontrolliert werden. Bei Auffälligkeiten ist umgehend der Arzt zu informieren.

  • Fixierung: Auf eine absolut sichere Fixierung der Portnadel und des Infusionssystems ist zu achten (ggf. nachfixieren).

  • Verbandswechsel (VW): Der VW erfolgt stets unter aseptischen Bedingungen (sterile Kautelen).

    • Routinewechsel:

      • konservativer Verband alle: 48h
        Dabei ist die Einstichstelle auf Infektionszeichen zu prüfen.

      • gefensterte Sichtverbände (z.B. Tegaderm-CHG®) können länger verbleiben (Herstellerangaben beachten), da die Kontrolle der Einstichstelle durch den Verband möglich ist.

    • Bedarfswechsel: Sofortiger VW bei Durchfeuchtung, Verschmutzung oder Lockerung.

  • Spülintervall: Wird der Port nicht genutzt, muss er alle 3 Monate gespült werden.

Unnötige Manipulationen am Portsystem sind strikt zu vermeiden!

Punktion des Portkatheters

Materialvorbereitung (sterile Ablage richten):

  • Sterile Handschuhe & steriles Lochtuch

  • 4 Pck. sterile Kompressen

  • 2x 10ml NaCl 0,9% Fertigspritzen (steril verpackt)

  • Portnadel (Größe gemäß Angabe im Portausweis)

  • Verschlusskonen

  • Steriles Fixiermaterial (z. B. Tegaderm CHG® - Port, Fixomull®) & Abwurfbehälter

Ablauf der Punktion

  1. Vorbereitung: Hygienische Händedesinfektion. Schutzausrüstung (Schürze, Mundschutz, unsterile Handschuhe) anlegen. Portkammer palpatorisch ertasten.

  2. Desinfektion (RKI Kat. 1B): Punktionsbereich jeweils 2x desinfizieren und steril abwischen. Danach eine erneute Desinfektion durchführen und die Einwirkzeit strikt beachten.

  3. Sterile Phase: Sterile Handschuhe anziehen. Portnadel mit NaCl 0,9% entlüften.

  4. Punktion:

    • Patient in die entgegengesetzte Richtung blicken lassen.

    • Portkammer ertasten und mit zwei Fingern fixieren. Portnadel sicher festhalten.

    • Nadelschutz entfernen; Nadel senkrecht zur Membran bis zum Nadelstopp (Boden der Portkammer) punktieren.

  5. Lagekontrolle: Klemme der Portnadel öffnen; Aspirationsversuch durchführen
    (Falls keine Aspiration möglich ist, nur vorsichtig und ohne Widerstand mit 10 ml NaCl 0,9% spülen).

  6. Abschluss: Verband mit Fixierung anlegen. Dokumentation von Nadelgröße und Punktionsdatum im System.

Verabreichen von Infusionen

Diskonnektionen des Systems stellen ein massives Infektionsrisiko dar und sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren!

  • Vor jeder Diskonnektion/Konnektion: Hygienische Händedesinfektion durchführen, unsterile Handschuhe anziehen, sterile Kompresse unterlegen.
    3-Wege-Hahn mit einer Alkohollösung (z.B. Cutasept F®) sprühdesinfizieren; 15s einwirken lassen und Alkoholreste über der sterilen Kompresse ausschütteln.

  • Verschluss: Nach jeder Diskonnektion ist ein neuer steriler Verschlusskonus anzubringen.

  • Laufraten: Infusionen können per Schwerkraft oder Pumpe verabreicht werden (maximale Laufrate gemäß Portausweis beachten!).

  • Spülprotokoll: Werden mehrere therapeutische Substanzen verabreicht, ist zwischen den einzelnen Substanzen mit 10 ml NaCl 0,9% zu spülen. Nach Infusionsende immer mit mind. 20 ml NaCl 0,9% spülen.

Blutentnahme und Bluttransfusion

Risikoabwägung:
Blutentnahmen und Transfusionen über das Portsystem sollten nur nach strenger Risikoabwägung erfolgen.

  • Mindestens eine 20G Nadel verwenden.

  • Zunächst mindestens 10 ml Blut aspirieren und verwerfen (Vorlauf).

  • Nach der Blutentnahme oder Transfusion das System ausgiebig mit mind. 20 ml (optimal 50 ml) NaCl 0,9% durchspülen.

Entfernen und Wechsel der Portnadel

  • Wechselintervall: Bei längerer kontinuierlicher Verweildauer ist die Nadel alle 5 Tage zu wechseln.

  • Vorgehen: Port mit 10 ml NaCl 0,9% spülen. Sterile Handschuhe anziehen. Portkammer mit zwei Fingern fixieren, Nadel am Ansatz greifen und senkrecht herausziehen.

  • Nachsorge: Portnadel sicher im vorgesehenen Abwurf entsorgen. Hautdesinfektion durchführen und die Einstichstelle mit einem sterilen Wundpflaster versorgen.

Quellen:

  • Richtlinien der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI)

  • Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) zu Gefäßzugängen und Hygiene in der Intensivmedizin

Autoren dieses Artikels

Daniel Hong

Fachkrankenpfleger Universitätsklinikum Aachen